Beyond Cold War

Beyond Cold War

Softcover mit Klappen, Fadenheftung, 220 x 280 mm
116 Seiten, Offset
Design: Sven Lindhorst-Emme
Texte von Andreas Montag und Fabian Knierim
Englische Übersetzungen von Michael Wetzel
Mitteldeutscher Verlag, Halle / Saale 2014
ISBN 978-3-95462-411-9

 

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Beyond Cold War ist auch in den folgenden Institutionen erhältlich:

Buchhandlung im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg
Galerie Bohai, Hannover
Kunsthalle Bielefeld
Museum Marta Herford
Tique Artspace, Antwerpen / Belgien

 

“[…] Da haben sie einander mit mehr Misstrauen als Hass gegenüberstanden, sich gegenseitig ausgespäht und hineingehorcht in des Anderen Welt. Mit Waffen bis an die Zähne gerüstet, Raketen und nukleare Sprengköpfe in geheimen Depots hortend und dabei von Mindestzeiten fabulierend, die ein Trupp Soldaten in seiner gepanzerten Kiste durchhalten müsste, bis die Front der Verteidiger aufgebaut sein und die anstürmenden Feinde zum Stehen bringen würde. Es würden natürlich die Feinde sein, wer sonst, die als Aggressoren vorrückten, nicht das eigene Fähnlein. Je nach Wohnort, Selbstwahrnehmung und Windrichtung der Propaganda waren „der Russe“ oder der amerikanische Imperialismus der altböse Feind.
Letzterer trat bis in die 1970er Jahre auch noch in Form der „Bonner Ultras“ in Erscheinung – ein hübscher Begriff, der leider völlig außer Mode ist und unter dem Spätergeborene unter Umständen besonders hartgesottene Anhänger eines rheinischen Fußballvereins vermuten werden. Dabei ging es jedoch vielmehr um Klassenkampf hier und Verteidigung der abendländischen Kultur da, um höhere Inhalte also, für die man sich erforderlichenfalls auch gegenseitig abschlachten sollte. Was wie ein albernes, dummes Indianerspiel anmutet, hatte allgemein für Ernst gehalten zu werden. Und wurde auch ernst genommen. Wie viel Geld, wie viel Fantasie hat es verschlungen. Und wie viele Menschen hat es verbogen und böse gemacht … […]“
Veröffentlicht in: Beyond Cold War, Halle(Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-411-9

 

” […] Seine unter anderem an der norwegisch-russischen Grenze, an der ehemaligen innerdeutschen Grenze im Harz, in der Türkei und im Ostseeraum Dänemarks fotografierten Bilder sind von subtiler Suggestionskraft. Was ist hier passiert? Wo sind die Spuren des Konflikts? Oftmals finden wir keine, blicken auf Wälder, Gebirge und Seen, schauen auf sattgrüne Wiesen und sind dennoch beunruhigt. Dem 1981 in Jena geborenen Fotografen gelingt es, uns beim Betrachten der Bilder eine gehörige Portion Unbehagen einzuimpfen. Man fühlt sich beobachtet, ausgespäht, ausgehorcht. Aber da ist ja niemand mehr. Oder?
Einige Häuser stehen in der Landschaft herum. Mal führt ein Pfad über eine Wiese, mal ein Weg durch einen Wald. Doch auch diese Spuren des Menschen machen die Orte nicht zu Schauplätzen der Geschichte. Die Suche nach geheimen Unterständen, nach Bunkern, nach Abhörstationen ist umsonst. Warum? Es ist unser Blick, unsere Suche nach Verwertbarem, die Robert Schlotter interessieren. Jede Reifenspur nehmen wir als Indiz: Ja, genau! Hier ist damals etwas passiert! Könnte sein. Muss aber nicht.
Diese Fotografien entziehen sich: Sie sind nicht leicht lesbar – oder nur auf eine Weise: Diese nüchternen, wenngleich sehr genau komponierten Landschaftsbilder erzählen mehr über den, der sie anblickt, als über sich selbst. Sie machen die Erwartung des Betrachters zum Thema. Sie spiegeln einen erwartungsvollen Blick.”
Veröffentlicht in: Kunstbuchanzeiger, March 2015 & Photonews, April 2015

 

” […] Viel Wald und grüne Wiesen, Flüsschen und Wege sind auf den Bildern zu sehen. Wo sich im einzelnen Bild die Spuren des Kalten Kriegs verstecken, wird dem Betrachter nicht immer gleich klar sein. Und es gibt auch Bilder, die nicht wirklich Spuren zeigen, zum Beispiel das Seestück mit einem Ausschnitt graubraunen Meers bis an den Horizont. In vielen Fällen ist man auf eigene Assoziationen angewiesen. So wird vielleicht das Flüsschen zum früheren Grenzverlauf, der Waldweg ebenso. Die abgebildeten Zäune werden zu Resten von Grenzsicherungsanlagen, obwohl sie vielleicht in der Realität ganz anderen Zwecken dienten und dienen. So sehe ich die Bilder weniger als didaktische Abhandlung, die klar bestimmbare historische Begebenheiten und Orte illustriert, sondern viel eher als Aufforderung zum genauen Hinschauen und eigenen Assoziationen. […]”